Star Trek

Ui, lange Zeit ist hier nichts passiert, das muss wenigstens für den Moment mal geändert werden. Letzte Woche habe ich Star Trek im Kino gesehen, was ich hiermit einerseits loben aber andererseits auch bekritteln kann. Da sich J.J. Abrams und sein Team für den Film verantwortlich zeichnet, waren meine Erwartungen dann auch nicht gerade gering. Zudem hat mir in den letzten zwei Jahren der Star Trek-Serienkosmos doch einigermaßen zugesagt, wie in den letzten Serienchecks zu sehen ist. Die Frage, die ich an den Film gestellt habe, ist die, ob der neue Film noch Star Trek ist oder nicht. Die Antwort gibt es mit ein paar Spoilern nach dem Bild.

Star Trek

Ich stimme der generellen Meinung zu, dass der neue Film als SciFi-Actionfilm wirklich gelungen und sehenswert ist. Die Optik ist konsequent neu entwickelt worden und es geht etwas weg von dem sauber, steril und harmonisch aussehenden Kulissen und Welten der Serien und vorherigen Filme. Vielleicht mit Ausnahme der weißen Brücke, die ein interessanten Kontrast im Film bildet. Auch die Figuren sind konsequent weiter entwickelt worden und in meinen Augen sehr stimmig. Und man hat auch die Kameraführung “konsequent” entwickelt, wobei mir hier die leicht “spacige” Kameraführung ganz gut gefallen hat. Das habe ich so bisher nur in Battlestar Galactica gesehen. Über die anhaltende Hektik der Kamera in beinahe allen Szenen, also auch den ruhigeren, darf dagegen gestritten werden.

Interessanterweise hat mir Kirk am besten gefallen. Seine, aber auch Spocks (Neu-)Charakterisierung sind wirklich gelungen. Kirk wird sehr passabel als Haudrauf-Tatmensch dargestellt, der sich in eine Sache verbeißt und diese ohne Wenn und Aber durchzusetzen vermag. Er handelt ohne groß nachzudenken, schlägt sich im wahrsten Sinne das Wortes aber auch mit den Folgen herum, und das im Endeffekt auch mit Erfolg. Seine Einführung als Kind, dem die reglementierende Hand des Vaters fehlt und dessen Tod im Grunde sein ganzes junges Leben prägt, ist äußerst gelungen und macht ihn als unbedarften Actionhelden glaubwürdig. Ähnlich sieht das bei Spock aus, der anders als in der Serie und den Filmen einen inneren Konflikt zwischen seiner vulcanischen und menschlichen Seite spendiert bekommt. Dass Spock das eine oder andere Mal Gefühle zeigen darf, ist ebenfalls eine interessante und gelungene Neu-Entwicklung seines Charakters. Ferner rückt Uhura mehr ins Zentrum einer ansonsten reinen Männerriege. Dieses Zugeständnis darf der heute gegebenen Emanzipation gegenüber den 1960er Jahren zugeschrieben werden. Außerdem behauptet sie sich gegen den Frauenhelden Kirk und wendet sich stattdessen dem zurückhaltenderen Spock zu. Auch dies ist eine interessante Neu-Entwicklung in der Figurenkonstellation des neuen Star Trek-Films. Soweit wie Battlestar Galactica, aus ehemals männlichen Hauptdarstellern nun weibliche zu machen, geht der neue Film dann aber doch nicht. Denn im Grunde ist Star Trek auch kein Reboot sondern eine Mischung aus Fortsetzung und Vorläufer des bestehenden Star Trek-Serienkosmos.

Abrams und seinen beiden Autoren Roberto Orci und Alex Kurtzmann, die ihn seit den ersten Tagen von Alias begleiten und die für ihn bereits Mission: Impossible 3 geschrieben haben, knüpfen mit dieser Figurenkonstellation und der Neu-Charakterisierung dezent an ihre in der Serie Alias entwickelten Tugenden an. Denn die Charakterisierungen gelingen ihnen in dem neuen Film doch ganz hervorragend. Genau das habe ich Abrams auch zugetraut. Er gewährt ein paar neue Einsichten in die Charaktere und bringt Sachen ein, die es so innerhalb von Star Trek noch nicht zu sehen gab. Das ist es auch, was er mit Mission: Impossible 3 gemacht hat, wo die persönliche, private Seite des Hauptcharakters Ethan Hunt viel stärker beleuchtet wurde, als in den ersten beiden Mission: Impossible-Teilen. Dieses Prinzip hat er nun wieder auf Star Trek angewendet und es hat funktioniert. Die Figuren sind in meinen Augen das Herzstück des Films. Höchstens Scotty war mir als dritter Klassenkasper in der Runde dann doch einer zu viel. An seiner Person merkt man dann auch, dass Star Trek zuallererst ein Actionfilm ist, der sich selbst nicht so ganz ernst nimmt. Denn wenn Scotty-Darsteller Simon Peg mit Erstaunen ausruft, “Seid ihr aus der Zukunft? Cool!”, dann bricht der Film zum Einen mit den zahlreichen Verwicklungen und zum Anderen auch mit dem Technobabbel, die in den bisherigen Serien und Filmen noch sehr ernsthaft behandelt wurden und die auch zu ernsthaften Problemen und im Grunde unlösbaren Entwicklungen bei der Erzählung führten. Diese hat man ja nur mit dem Stichwort “Tech the Tech!” lösen können.

Dagegen bleibt es aber bei einer platten Story und dem blassen Bösewicht. Beides lässt sich ein bisschen entschuldigen, da sich der Film wirklich viel Zeit nimmt, die Charaktere einzuführen und ihnen viel Spielraum gegeben wird. Somit bleiben in erster Linie ein famoses Actionspekatakel im Weltall, dass sich selbst nicht so ganz ernst nimmt, und die Neueinführung der Figurenkonstellation. Gerade Letzteres hätten sie wohl kaum gemacht, wenn sie sich nicht sicher gewesen wären, einen weiteren Star Trek-Film zu drehen. Mit Damon Lindelof als nächsten Drehbuchautoren hoffe ich aber nun auf etwas mehr Star Trek-Tiefe.

Denn das ist eigentlich mein Kritikpunkt am Film: mit Star Trek hat dieses Actionspektakel nicht mehr viel zu tun. Nur weil bekannte Namen auf einer Enterprise im Weltall herum kutschen, ist das noch nicht mit Star Trek gleichbedeutend. Wo ist der Wagon Train im Weltall und die Final Frontier, die gerade die Originalserie ausgemacht haben? Wo bleibt der Kampf um humanistische Werte? Ja, um in allgemeinen Science Fiction-Definitionen zu sprechen, wo bleibt der Spiegel auf unsere Gegenwart? Mit viel gutem Willen lässt sich die alternative Realität, in die sich der Film begibt, als neue Metamorphose des Star Trek-Patchwork-Universums bezeichnen. Der Film reflektiert damit gerade noch den eigenen Serienkosmos der vergangenen reichlichen 40 Jahre. Aber sonst? Nun ja… Ich habe nichts dagegen, dass es etwas wilder zugeht im neuen Star Trek-Universum, dass die politische Korrektheit zum Teil über Board geworfen wird, keine philosophische Botschaft mit dem Holzhammer daher kommt, es ein deprimierendes Spiegelbild wie in Battlestar Galactica gibt oder der Optimismus der früheren Serien, in denen bereits verbesserte Menschen nach weiterer menschlicher Perfektion streben, nun zu den Akten gelegt wird. Als Vulcan zerstört wird, habe ich außerdem einen kurzen Moment wirklich darum gebetet, dass es keine offensichtliche Holocaust- oder 9/11- Anspielung gibt. Aber dass es lediglich ein dicker Spezialeffekt im Film blieb, habe ich dann wiederum auch nicht erwartet. Wenigstens ein klitzekleiner – zumindest für mich entdeckbarer – Subtext oder eine Anspielung wäre doch schön gewesen. Das vermisse ich aber oder er war mir wirklich nicht offensichtlich genug. Deshalb hoffe ich auf den nächsten Film, gerne wieder in der Form eines solchen Actionspektakels, mit diesen Figuren und diesem Look, aber dann vielleicht mit etwas ansatzweiser Tiefe, wie es Matrix oder zuletzt auch The Dark Knight boten. Bitte bitte. Danke sehr.

Im Übrigen noch ein Wort zur Kontinuität, die bei dem neuen Film doch am Häufigsten kritisiert wird. Das ganze Konstrukt Star Trek ist ein offenes System, dass sich über 40 Jahre lang entwickelt und verändert hat. Nicht immer blieb es dabei am Zeitgeist, dazu sind zahlreiche Episoden in Voyager und Enterprise doch nicht so gelungen. Aber die gelungenen Episoden wiederum sind dem doch recht nahe gekommen. In solchen Episoden hat man versucht, philosophische, gesellschaftliche oder politische Metaphern einzubauen. Gleichzeitig gab es eigenständige virtuelle Räume, die man erforscht hat, womit Star Trek gerade in TNG, DS9 und ein wenig auch in VOY neue Wege eingeschlagen hat. Diese haben den Star Trek-Serienkosmos u.a. eine neue Erweiterung gegeben. Schon die Originalserie hat sowohl mit den politischen Metaphern auf den Kalten Krieg als auch dem finsteren Paralleluniversum den Grundstein dafür gelegt. Gerade dieses Paralleluniversum wurde in DS9 und in ENT mehrfach wieder aufgegriffen. Was ich meine ist, dass der bestehende Serienkosmos mit über 700 Film- und Fernsehstunden viel zu detailliert ist. Der Serienkosmos ist sowohl spiegelbildlich auf die Gegenwart, in der eine Serie entstand, als auch in sich selbst reflexiv und reflexiv gebrochen. Man hat in den späteren Serien seit TNG mehrfach Widersprüche und Kritik gerade zur alten Serie eingebaut und diese variantenreich und selbstkorrigierend dargestellt. Star Trek ist damit ein offenes (Patchwork-)System und kein komplettes Ganzes, welches lediglich um Nuancen, einfache Aspekte oder neue Geschichten erweitert wird. Die Ambivalenz, die der neue Film mit seiner alternativen Realität bietet, und der gleichzeitige Verzicht auf eine sogenannte “wahre” Handlung, die der Film eben wegen der neuen Realität gerade nicht hat, passen unter dieser Sichtweise deshalb durchaus zu Star Trek. Wie oben bereits geschrieben ist mir der simple Fakt, dass der neue Film den Serienkosmos Star Trek in eine alternative Realität hievt, aber zu wenig, um das Aushängeschild Star Trek zu tragen.

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