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Gefangen im Flow?

Gefangen im Flow?Das hier mag etwas schamlose Werbung sein, aber ich bin doch recht stolz auf die geleistete Arbeit. Denn ich habe im September letzten Jahres auf Anregung von Mike von Experimentelles einen wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema Computerspiele geschrieben. Seit zehn Jahren werden vor allem im englischsprachigen Raum immer mehr Game Studies durchgeführt, vor drei bis vier Jahren ist die Welle auch zu uns geschwappt und nun beackern vor allem junge Nachwuchswissenschaftler, die mit dem Medium aufgewachsen sind, dieses Thema. Seit gestern halte ich den Sammelband mit mehreren einzelnen Aufsätzen über Computerspiele in den Händen, praktisch frisch aus dem Druck.

Ich möchte jetzt nicht jeden Aufsatz vorstellen, das kann einfach im Inhaltsverzeichnis [PDF] auf der Buchseite des Verlages nachgelesen werden. Ich sage einfach mein Thema kurz auf. Und zwar habe ich mich um den Begriff “agency” in Computerspielen gekümmert und mir dafür die Beispiele Bioshock, EVE Online und The Witcher herausgepickt. Agency lässt sich in diesem Falle am besten mit “Einfluss” übersetzen, ein Spieler erfährt Einfluss auf ein Spiel, wenn er eine Entscheidung trifft und diese tatsächlich Auswirkungen und Konsequenzen hat, welche den Handlungsverlauf verändern. Es sind also dramatische Entscheidungen. Sei dies im unmittelbaren, kleinen Rahmen (local agency) oder im großen, übergeordneten und langfristigen Rahmen (global agency). Wobei “wahre” agency ein Idealzustand ist, der aufgrund der Strukturen interaktiver Geschichten wohl nicht so schnell erreicht werden wird. Heiliger Gral und so. An den Beispielen Bioshock und The Witcher habe ich versucht nachzuweisen, bis zu welchem Ausmaß bereits jetzt agency in Computerspielen gegeben ist, wobei hier die aristotelischen Grundstrukturen des Aufbaus eines Dramas den Ausgangspunkt setzen. Davon ausgehend wird eine Struktur der interaktiven Geschichte gebildet und diese mit den phänomenologischen Kategorien agency, transformation und immersion verknüpft. Hört sich hoffentlich spannend an und vielleicht hat ja jemand Interesse daran, mal so was zu lesen. Ich würde mich freuen. Generell ist die Game Studies-Serie des vwh-Verlages sehr zu empfehlen, die ersten vier Bücher, die ich bisher gelesen habe, sind interessante Analysen zu einzelnen Aspekten von Computerspielen.

Für die Chance und Unterstützung (ich bin ja eigentlich kein Medienwissenschaftler), kann ich mich nur vielmals bei Mike bedanken, für weitere Anregungen beim Konspiranten und ebenfalls Autor des Sammelbandes Jan von Weniger Toast. Das ist jedenfalls meine erste richtige Veröffentlichung!